Gorg Blau Stausee

Reisebericht GR221 – Etappe 6 – Cuber – Puig Tossal Verds – Puig Massanella – Lluc

Nach einer ruhigen Nacht im Hotel beschlossen wir mein Knie etwas zu schonen und direkt mit dem Bus zum Cuber Stausee zu fahren. Ich wollte unbedingt auf den Puig Tossal Verds und den Puig Massanella, daher sparte ich mir die beschwerliche Etappe von Port de Soller bis zum Stausee für das nächste Mal auf.

Wir standen also mit unserem Gepäck an der Bushaltestelle, kochten uns einen Kaffee und wurden ungläubig von den restlichen Touristen begutachtet, die größtenteils zum Stadtbummel nach Palma fahren wollten.

Um 9.00 Uhr sollte der Bus Richtung Cuber Stausee eintreffen, gegen 9.30 Uhr war aber weit und breit noch nichts vom Bus zu sehen. Als bereits der zweite Bus Richtung Palma eintraf, fragten wir beim Busfahrer nach, wo denn der Bus zum Cuber bleibt. Die ernüchternde Antwort: „Heute ist der 31.03., der Bus fährt erst ab dem 01.04.!“ So eine Information hätte ich eigentlich direkt am Fahrplan erwartet.

Es blieb uns also nichts anderes übrig als mit dem Taxi zu fahren. Glücklicherweise waren noch ein paar Tageswanderer dabei und wir konnten uns zwei Taxis mit insgesamt 6 Leuten teilen. Die fahrt zum Cuber Stausee dauert etwa eine halbe Stunden und kostete ca. 30,00 Euro. für 3 Personen.

Angekommen am Cuber Stausee machten wir uns sofort auf den Weg Richtung Puig Tossal Verds. Da das Refugi Tossal Verds geschlossen war, sind wir direkt Richtung Norden am Berg vorbei gegangen.

Blick zum Puig Tomir, dem höchsten Berg auf Mallorca
Blick zum Puig Tomir, dem höchsten Berg auf Mallorca
Gorg Blau Stausee
Gorg Blau Stausee

Der Aufstieg erfolgt, wie schon gewohnt, in steilen Serpentinen zunächst durch den Wald, bevor man kurz vor dem Gipfelaufbau die Baumgrenze verlässt.

Vor dem letzten Aufstieg, der teilweise über recht rutschige Felsen geht, machten wir eine kurze Mittagspause. Wähend der Pause begann es leider vom Tal her etwas zuzuziehen, wir waren aber dennoch guter Dinge den Gipfel besteigen zu können.

Nebel, Nebel, Nebel
Nebel, Nebel, Nebel
Aufstieg Puig Tossal Verds
Aufstieg Puig Tossal Verds
Aufstieg Puig Tossal Verds 2
Aufstieg Puig Tossal Verds 2

Etwa 50 hm vor dem Gipfel zwang uns dann leider sehr dichter Nebel zum umkehren. Die Sicht war zwar noch recht gut, sobald der Nebel uns erreicht hätte, wäre die Sicht allerdings gleich 0 gewesen. Dichter Nebel, kombiniert mit grauen rutschigen Felsen und steilen Felswänden war jetzt nicht das, was ich mir von eine Besteigung des Puig Tossal Verds vorgestellt hatte.

Es sah aber auch nicht danach aus, dass der Nebel sich in nächster Zeit verziehen würde. Und in der Zeitung als einer der Touristen zu erscheinen, der bei schlechten Bedingungen irgendwo den Berg herunter gestürzt ist – darauf konnte ich gut verzichten.

Also, Haken an Besteigung Nr 1 und den Abstieg in Angriff genommen.

Die Laune war zu diesem Zeitpunkt natürlich ziemlich mies, da der Berg definitiv neben dem Massanella zu den zwei absoluten Must-Have Punkten meiner Reisewünsche gehörte.

Als wir endlich wieder unten waren, wie hätte es auch anders sein können, klarte der Himmel wieder auf und wir gingen in strahlendem Sonnenschein weiter Richtung Puig Massanella.

Der Weg Richtung Massanella und Coll des Prat zieht sich und ist, gerade in der prallen Sonne, recht anstrengend. Dennoch war der Weg bis hier landschaftlich sehr schön und der Frust der gescheiterten Besteigung fast vergessen.

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noch sieht man den Massanella
noch sieht man den Massanella

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Tja – fast.

Denn erneut waren wir nicht gerade vom Glück verfolgt. Während wir noch in der Sonne oben am Coll des Prat ankamen und einige Wanderer bei der Besteigung des Massanella sehen konnten, zog keine fünf Minuten später erneut ein extrem dichtes Nebelfeld aus dem Tal herauf. Innerhalb weniger Minuten konnten wir vom Massanella kaum noch etwas erkennen.

Der Nebel erreicht langsam den Coll des Prat
Der Nebel erreicht langsam den Coll des Prat

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Der Massanella verschwindet langsam im Nebel
Der Massanella verschwindet langsam im Nebel

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Weg ist der Massanella
Weg ist der Massanella

Durch die „Fast“-Besteigung des Tossal Verds schon einiger Kräfte beraubt, wollten wir nur noch nach Lluc absteigen und den Gipfel am nächsten Tag noch einmal in Angriff nehmen. Lluc konnte ja schließlich nur noch ein paar kurzes Stück bergab entfernt sein. Frage: Warum schaut man (ich) in solch einer Situation eigentlich nie auf die Karte?

Das erste Mal stutzig wurde ich, als wir an einem Schild mit der Aufschrift Lluc – 2.45h vorbei kamen. Konnte es jetzt wirklich fast drei Stunden lang bergab gehen? Weit gefehlt! Denn schon nach kurzem Abstieg ging der Pfad steil am gegenüber liegenden Berg wieder hinauf.

Der Nebel hatte uns mittlerweile auch eingeholt, die Sicht war nahezu 0, mein Knie schmerzte bei jedem Schritt und ich überlegte mehrfach, ob ich mein komplettes Gepäck nicht einfach den Berg hinunter schmeißen soll. Hier schaffte es auch kein Ausblick, egal wie toll er doch sein sollte, meine Laune wieder zu heben. Ich wollte nur noch in ein Zelt, raus aus den mittlerweile vom Nebel nass gewordenen Klamotten und meine Ruhe.

Absteig Richtung Lluc
Absteig Richtung Lluc

Nach gefühlten Stunden im dichten Nebel kam dann, was später zum Abbruch der GR221 Begehung an unserem Tag 6 führen sollte. Ein schier endloses Stück geht man steil am Berg hinunter auf einem alten Pilgerweg, der aus wild zusammengewürfelten Steinen und unzähligen Stufen besteht.

Da ich nur noch unter starken Schmerzen das Knie beugen konnte, haben wir für den mit 2.45 Stunden angesetzten weg fast 4 Stunden gebraucht, bis wir endlich am Kloster Lluc angekommen waren.

Kloster Lluc

Kloster Lluc 2

Kloster Lluc 3

Der Zeltplatz am Kloster Llluc ist recht unspektakulär. Es hadnelt sich um eine Wiese, die über mehrere Terrassen verteilt, direkt an den Busparkplatz des Klosters anschließt. Die Sanitären Anlagen waren extrem dreckig, die Dusche hat nur kaltes Wasser, was mir zu diesem Zeitpunkt aber völlig egal war.

Zwei gescheiterte Gipfelbesteigungen und ein stark geschwollenes Knie. Für mich war das Abenteuer GR221 zu diesem Zeitpunkt gelaufen. Wir wollten zwar noch bis zum nächsten Morgen abwarten, innerlich stand aber schon fest, dass mein Weg höchstens noch per Bus in ein Hotel führen wird.

Zunächst genehmigte ich mir allerdings noch eine wohlverdiente Dusche. Vom einzigen Pärchen,dass sonst noch auf dem Zeltplatz war, wurde diese Idee mit dem Kommentar „Willst Du da echt jetzt rein gehen? Na wir hören Dich ja dann gleich schreien“ abgetan 😉 Ich habe zwar nicht geschrien, musste mich aber dennoch einige Sekunden konzentrieren um wieder Luft holen zu können. Das Wasser fühlte sich an wie Eisblöcke die über den Körper rutschen.

Nach dem Duschen sind wir dann in das Restaurant oberhalb des Busparkplatzes gegangen. Das lohnt sich 100%ig. Ich habe eine Paella gegessen und die war einfach fabelhaft. Dazu hat uns der Wirt in Verbindung mit einer stark angetrunkenen Touristengruppe sehr gut unterhalten.

Am nächsten Morgen haben wir noch einmal das Kloster besichtigt. Das hätte ich mir persönlich sparen können, denn unter einem Kloster stelle ich mir etwas anderes vor als zwei Souvenirläden und ein Café.

Unser geplantes Reiseziel Puerto Pollensa haben wir allerdings doch noch in Angriff genommen, wenn auch mit dem Bus und einem Umweg über Inca.

Wir haben zum Abschluss dann einen Tag in Puerto Pollensa und zwei Tage in Palma verbracht, bevor es am 04.04. dann wieder per Flieger zurück nach Deutschland ging.

Die verpassten Gipfel werden nachgeholt, ebenso die Etappen zwischen Port de Soller – Cuber und Lluc – Pollensa. Evtl. findet sich dafür ja im Herbst ein verlängertes Wochenende. Ansonsten eben im nächsten Sommer – bevor dann die Vorbereitungen zum GR20 auf Korsika starten 😉

Eins kann ich auf jeden Fall sagen, so ein Tripp macht süchtig – und ich würde am liebsten sofort wieder losziehen…

6 Gedanken zu „Reisebericht GR221 – Etappe 6 – Cuber – Puig Tossal Verds – Puig Massanella – Lluc“

  1. Hallöchen. Mein Freund und ich unternehmen zum ersten Mal einen Wanderurlaub. Es geht von Valldemossa nach Deià; von Deià nach Port de Soller; von Port de Soller nach Tossals Verds; von Tossals Verds nach Lluc; von Lluc mit dem Bus Nähe Sa Calobra und von dort zu Fuß zurück nach Soller. Wir sind Mitte dreißig, gerne draußen und mit einer normalen Fitness in unserem Alter ausgestattet. Ich bin nicht soo schwindelfrei und irgendwie werde ich aus vielen Reiseberichten nicht wirklich schlau, ob die Wanderung Kletterpartien beinhaltet oder nicht. Das es anstrengend werden kann ist uns bewusst, aber eignet sich diese Wegstrecke für Wanderanfänger wie uns?

    Freu mich über eine Einschätzung deinerseits.

  2. Hallo Michael, die Wanderung von Valdemossa nach Deia hört sich sehr abenteuerlich an. Wir sind nicht gerade erfahrene Wanderer, außerdem bin ich nich so schwindelfrei und bekomme Beklemmung wenn ein an einem schmalen Pfad entlang gehe und auf der anderen Seite ein Abhang.
    Ich glaube das diese Tour für mich dann nicht in Frage kommt.
    Ich würde mich über einen Komentar von dir freuen
    Mfg
    ELKE

  3. Hallo Michael,

    Vielen Dank für deine ausführlichen Reiseberichte zum GR 221. Ich finde super das ihr mit dem Zelt unterwegs wart! Das ist dieses Jahr auch mein Plan, da ich Wanderungen so einfach sehr viel intensiver und spannender finde 😉

    Deinem Bereicht konnte ich entnehmen, dass man ohne Probleme auf dem GR221 zelten kann. In anderen Berichten hingegen liest man wieder, dass das „Wildcampen“ auf Mallorca verboten ist. Weißt Du da genaueres wie es Rechtlich aussieht?

    LG Alex

  4. Hallo Michael,
    ich habe mit großem Interesse deinen Beitrag über den GR 221 gelesen, vielen Dank. Wir, mein Mann und ich (42J.) sind normal sportlich, wandern gern und möchten diese Tour in diesem Jahr gehen vom 2.4.-12.4., unsere 14 jährige Tochter will uns begleiten, sie kann allerdings nicht so richtig einschätzen was auf sie zukommt. Was würdest du sagen?
    Ich brauch einfach mal einen Tip von jemandem, der schon dort war, ob es mit einem Teenager Machbar ist.
    Viel Grüße, Britta Eichler.

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