Blick auf Valldemossa

Reisebericht GR221 – Etappe 4 – Landgut Planicia bis Valldemossa

Der vierte Tag unserer Wanderung begann mit einer sehr unruhigen Nacht, da der gewählte Zeltplatz kurz hinter dem Landgut Planicia im Sekundentakt von sehr starken Sturmböen heimgesucht wurde. Der starke Wind in Kombination mit Erschöpfung und Schlafmangel führte dann dazu, dass ich irgendwann begann mir darüber Gedanken zu machen, ob die Überlebenschancen wohl höher sind, falls ein auf uns einstürzende Baum den Bauch oder den Rücken trifft. Zum Glück blieb der Sturm die Antwort auf diese Frage aber aus.

Am nächsten morgen stellten wir dann zunächst Fest, dass der Sturm eine Abspannleine samt Hering aus dem Boden gerissen hatte. Den Hering haben wir leider auch nach ausgiebigen Suche in einem 20m Radius nicht wiederfinden können.

Der Weg nach Esporles war wenig spektakulär und ging zum Schluss auch noch ein ganzes Stück an der Ma-1101 entlang. Esporles selbst ist aber eine wirklich schöne Stadt. Vor allem die toll angelegten Läden hatten es mir angetan. Was auf den ersten Blick wie ein normales Wohnhaus anmutet, entpuppt sich bei genauerem hinsehen immer wieder als tolles Geschäft, Metzgerei, Bäckerei oder ähnliches. Die typischen Werbeschilder und Verkaufsstände, wie in einigen anderen touristischen Städten Mallorcas, sucht man hier vergeblich.

Einkaufsstraße in Esporles

Ein Highlight in Esporles war auf jeden Fall ein Hund, der sich zunächst unscheinbar auf einer Terrasse sonnte, sich dann aber von allen Seiten brav fotografieren lies, als ich mit meiner Kamera auftauchte. Eigentlich möchte ich neben unseren zwei Katzen keine weiteren Haustiere. Sollte ich allerdings irgendwann einmal in einem Tierheim über solche einen Hund stolpern, führt kein Weg daran vorbei 😉

Esporles next Top Dog 1
Esporles next Top Dog 1
Esporles next Top Dog 2
Esporles next Top Dog 2

Nach einer kurzen Pause sind wir dann direkt weiter nach Valldemossa aufgebrochen. Ab Valldemossa führt der GR221 recht steil den Berg hinauf, bis man auf eine bewaldete Hochebene stößt, auf der sich einige Köhlerplätze, ein Brunnen und mehrere Gebäudereste befinden.

Irgendwann wurde die Orientierung für uns allerdings etwas schwieriger, da zahlreiche Steinmännchen und Wegabzweigungen uns etwas in die Irre führten. Glücklicherweise trafen wir dabei aber auf ein deutsches Pärchen, das uns mit GPS bewaffnet sicher weiterführte.

Nach einer kleinen Kletterpassage und dem überwinden eines Stacheldraht-Zaunes erreichten wir einen atemberaubenden Aussichtspunkt an steil aufragenden Felsklippen, mit Blick auf auf das Meer und die umgebenden Berge.

kurze Kletterpassage
kurze Kletterpassage
Ausblick auf Marina Valldemossa
Ausblick auf Marina Valldemossa
Ausblick auf Teix Massiv
Ausblick auf Teix Massiv

Felsklippen

Sowohl wir, als auch das deutsche Pärchen, dachten in diesem Moment, dass uns der nachfolgende Steile Abstieg direkt nach Valldemossa führen würde. Ein Blick auf die Karte hätte uns allerdings gezeigt, dass vorher noch ein ziemlich anstrengender Aufstieg über den Puig de sa Comuna auf uns warten würde.

Da meine Kondition auf Grund des Schlafmangels an diesem Tag sowieso nicht die Beste war, wurden die restlichen Kilometer bis Valldemossa zu einer regelrechten Tortour.

Bereits beim Abstieg zum Col de Sant Jordi machte sich mein Knie mit einem starken Stechen bemerkbar.

Der nachfolgende steile Aufstieg auf den über 700 Meter hohen Puig de sa Comuna zog meine Laune dann endgültig auf einen neuen Minusrekord herunter. Die tollen Ausblicke vom Gipfel konnten daran auch nicht wirklich etwas verbessern und wir gingen, nahezu wortlos, weiter.

Einmal oben angekommen, wartet ein sehr steiler Abstieg bis Valldemossa. Dieser geht in steilen Serpentinen, im späteren Verlauf teils asphaltiert stetig bergab.

Leider wurde der Wind beim Abstieg wieder sehr stark und kurz vor Valldemossa hatte es einen schweren Weidezaun ausgerechnet dort umgeworfen, wo man auf einer engen Stelle zwischen einer Steinmauer und dem Zaun hindurchlaufen musste.

Blick auf Valldemossa
Blick auf Valldemossa

Der Zaun war so auf die Mauer gedrückt worden, dass darunter noch etwa 1 Meter Platz war. Er war etwa 2,50 hoch und bestand aus einer Art Schilf-, oder Bambusmatte. Erste Versuche den Zaun wieder nach oben zu drücken zeigten direkt, dass er dafür viel zu schwer war.

Es blieb also nur, darunter durch zu kriechen, oder zu versuchen auf der brüchigen Steinmauer zu balancieren. Bei so starkem Wind der voll auf den Zaun drückt darunter durch zu kriechen, hielt ich in dem Moment für keine gute Idee. Wenn er weiter abgerutscht wäre, hätten wir sicher darunter fest gesteckt.

Die Mauer stellte sich allerdings auch als Herausforderung heraus, da sie sehr wackelig und zudem mit Stacheldraht und einer Dornenhecke verziert war.

Als wir die Mauer endlich passiert hatten, kamen wir auch recht schnell in Valldemossa an und stürmten den ersten Supermarkt, den wir finden konnten.

Nach einem kurzen Stadtbummel (ich kannte Valldemossa schon) haben wir unser Zelt direkt am Ortsausgang, zu Beginn des Aufstiegs Richtung Deia, aufgeschlagen.

Ich konnte es kaum glauben, aber auf uns wartete eine nahezu windstille Nacht. So kam ich, das erste Mal seit wir auf Mallorca waren zu ein paar Stunden erholsamen Schlaf.

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