Erster Blick auf La Dragonera

Reisebericht GR221 – Etappe 1 – Port Andratx nach La Trapa

Als wir in Palma gelandet sind, hat uns direkt das tolle südländische Wetter empfangen. Es waren etwa 12°C kombiniert mit viel Wind und etwas Regen. Eben genau so wie man sich den Frühling auf Mallorca vorstellt 😉

Hoch motiviert haben wir unser Gepäck in Empfang genommen und sind direkt mit dem Bus zum Placa d’Espanya gefahren.

Wer dort einkaufen möchte: Es gibt ein riesiges Kaufhaus – El Corte Ingles – ca. 300m von der Bushaltestelle entfernt. Man geht einfach von der Bushaltestelle weiter in Fahrtrichtung an der Hauptstraße entlang und kann es auf der linken Straßenseite eigentlich nicht verfehlen. Der Supermarkt befindet sich im Untergeschoss.

Wir haben dort (leider) nur jeweils eine Flasche Wasser und etwas zum sofort essen eingekauft, da ich mir dachte, dass wir in Andratx noch genug Zeit zum einkaufen haben werden.

Der Fernbus nach Port Andratx fährt im unterirdisch gelegenen Busbahnhof ab und traf auch schon 5 Minuten nach unserer Ankunft ein. Leider quittierte die hintere Tür den Versuch sie zu schließen mit einem unglaublich penetranten Alarmton. Ohne wirklich nach der Tür zu sehen, hat der Busfahrer noch ca. 15 Minuten weiter versucht diese zu schließen, immer wieder von diesem fürchterlichen Ton begleitet. Auch weitere 20-30 Minuten „fachmännische“ Reparaturversuche mit gezielten Tritten gegen die Tür konnten sie nicht zum Schließen bewegen und so traf nach erneut weiteren 15 Minuten ein Ersatzbus ein, mit dem wir dann endlich nach Port Andratx starten konnten.

Wir kamen also ca. eine Stunde zu spät in Port Andratx an, es war gegen 15:30 Uhr. Ich wollte nicht noch mehr Zeit mit Einkaufen verlieren und entschied, erst noch nach Sant Elm zu wandern und dort einzukaufen.

Direkt in Port Andratx läuft man eine Weile entgegen der Fahrtrichtung einer MTB Downhill Strecke bergauf, bis man oben auf den ersten „Pass“ stößt, der dann auch einen wunderbaren Blick über die Küste und das Meer bereit hält. Hier hab ich das erste Mal gemerkt, dass ich im Urlaub bin. Nur der Wind war etwas nervig.

Nach Sant Elm geht es dann eine ganze Weile hoch über der Küste entlang. Am höchsten Punkt der Etappe, in der Nähe von ein paar Funktürmen, schlug das Wetter dann ziemlich um. Der Wind wurde deutlich stärker und es regnete ziemlich stark.

Aber weil Regen und Wind anscheinend zu unserem Glück nicht ausreichen sollten, gesellte sich noch etwas Graupel zum Regen dazu. Als mein Ärmel immer wieder von weißen Flocken getroffen wurde, konnte ich es erst gar nicht glauben, hatte ich ja eine Wanderung im Frühling auf Mallorca, mit Sonne und Tagestemperaturen von 15-20 °C, geplant 😉

Der starke Wind, der mir das Regen- / Graupel Gemisch ständig ins Gesicht fegte, hatte dann auch dazu geführt, dass wir den Übergang auf die andere Seite zunächst verfehlt hatten und einige Zeit hin und her irrten, nicht sicher wo es weitergehen soll.

Einmal den Übergang gefunden, ging es dann auch relativ zügig runter nach Sant Elm und das Wetter wurde wieder etwas angenehmer.

Leider war es bei unserer Ankunft in Sant Elm schon kurz nach 17:00 Uhr, was dazu führte, dass natürlich kein einziges Geschäft mehr geöffnet hatte. Generell wirkte Sant Elm wie ausgestorben. Niemand auf der Straße, alle Restaurants und Geschäfte geschlossen und wir zwei mit großen Rucksäcken und ohne Verpflegung. Hier rächte sich dann das „ach – wir kaufen einfach in Sant Elm ein“.

Damit war natürlich die ganze Planung für den nächsten Tag für die Katz. Ohne Verpflegung konnten wir ja schlecht von Sant Elm über La Trapa bis Estellence laufen.

Glücklicherweise fanden wir doch noch ein einziges geöffnetes Restaurant, wo wir uns erst mal mit einem völlig überteuerten Gulasch für 18,00 € !!! stärken konnten und die weitere Vorgehensweise berieten.

Der Plan war dann eigentlich etwas außerhalb von Sant Elm zu übernachten und morgens zum Einkaufen wieder zu kommen. Dumm nur, dass ich eine Nacht in La Trapa fest auf meiner „Must Do“ Liste hatte.

Obwohl es schon dämmerte, setzte ich meinen Dickkopf durch und wir gingen los Richtung La Trapa. Direkt hinter Sant Elm wurde es dann schon stock duster, was mich aber auch nicht von meinem Plan abhielt, denn ich hatte ja schließlich extra eine Zebralight mitgenommen. Im Schein der (einzigen) Kopflampe (die Zweite hatten wir zuhause vergessen), ging es dann recht zügig bergauf und dicht an den Klippen entlang, bis wir an eine Stelle kamen, die in der Karte als leichte Kletterstelle markiert war.

Hier passierte mir ein Fehler, der mich vermutlich Stress bedingt 10 Lebensjahre gekostet hat. Dazu muss ich sagen, dass ich nicht wirklich schwindelfrei bin. Komischerweise ist das bei mir aber sehr tagesabhängig. Dies, wie sich herausstellte, war einer der schlechteren Tage. 😉

Ich deutete eine Farbmarkierung falsch und schlug nicht, wie eigentlich vorgesehen, den Weg durch die Mitte des Felsen ein, sondern bin irgendwie links an dem kompletten Fels-„Massiv“ vorbeigekraxelt. Irgendwann ging es dann zwei bis drei Meter senkrecht in einer Felsspalte nach oben, eine andere Möglichkeit weiterzukommen sah ich nicht mehr und fing an den Reiseführer bzw. die Karte zu verfluchen, da das für mich alles andere als eine leichte Kletterstelle war.

Zu dieser Zeit hatte ich mich schon länger nicht mehr wirklich umgesehen, da ich voll auf die Strecke vor mir konzentriert war. Als ich mich jetzt umdrehte, um nach meinem Schwiegervater zu sehen, traf mich fast der Schlag. Mit einem Puls von gefühlt 300 Schlägen bemerkte ich, dass es direkt unter mir mindestens 100 Meter senkrecht den Fels hinab ging.

In dem Moment ging einfach gar nichts mehr. Meine Arme und Beine verkrampften sich komplett und ich war nicht in der Lage auch nur einen einzigen Meter vor oder zurück zu gehen. Für mich stand fest, dass die Reise hier an Ort und Stelle vorbei ist und ich für immer in dieser Spalte feststecken würde.

Ich weiß nicht wie es weitergegangen wäre, wenn ich in dieser Situation allein unterwegs gewesen wäre. Zum Glück hatte ich aber meinen Schwiegervater dabei, der mich sehr energisch dazu angetrieben hat weiter zu klettern.

Es hat mich viel Überwindung gekostet die Hände auch nur eine Sekunde vom Fels zu lösen. Nach recht kurzer Zeit waren wir dann aber auch oben und hatten wieder festen Boden unter den Füßen.

La Trapa - leichte Kletterstelle
Hier sieht man die „Schlüsselstelle“ recht gut. Der eigentliche Weg geht in der Mitte über den Felsen. Wir sind links um das Fels Massiv herum gekraxelt und dann dort aufgestiegen.
Es geht Steil herunter
Der Blick nach unten, aufgenommen am nächsten Tag ein kurzes Stück entfernt von unserer Kletterstelle.

Den restlichen Weg bis La Trapa bin ich dann ohne ein weiteres Wort zu wechseln gelaufen. Als das Zelt aufgebaut war, haben wir uns dann auch recht schnell im Schlafsack verkrochen. Was folgte, war eine sehr stürmische Nacht, mit einem kräftigen Hagelschauer.

Eins stand zu dieser Zeit für mich fest: Lieber laufe ich den ganzen Weg bis Estellence ohne Wasser, als noch ein mal zurück nach Sant Elm zu gehen. Das unser Weg gar nicht der offizielle Weg war, wusste ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht.

Fortsetzung folgt …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *